Fassaden

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In Hattem erzählen die Fassaden die Geschichte von früher.

Wer durch die engen Straßen der Hattemer Innenstadt spaziert, schaut fast automatisch nach oben. Zwischen den Ziegeln der historischen Gebäude tauchen sie überall auf: bunte Gibelsteine, die die schweigsame Vergangenheit der Stadt wieder zum Leben erwecken.

Es ist eine Tradition die tief in der lokalen Gemeinschaft verwurzelt ist. Was einst mit der Beerninkgoep begann, ist inzwischen zum Bildhauer-Gilde Hattem geworden. In der Werkstatt von Beernink verbinden sich Handwerkskunst und Geschichte. Im Laufe der Jahre haben die Gildenmitglieder bereits etwa zwanzig Steine hergestellt und angebracht.

Der Prozess verläuft immer kollektiv. Im Jahr 2023 wurden erneut sechs Stück gleichzeitig geliefert, nachdem die Bewohner ihr Interesse bekundet hatten. „Ein Gibelstein muss etwas aus der Vergangenheit erzählen oder über die Tätigkeiten, die in dem Gebäude stattgefunden haben“, erzählt Henk van den Berg im Namen der Zunft.

So schmückt der Stein 'Anleghen' die Fassade, in der sich heute ein Pralinenatelier befindet. Einst war dies ein Ort, an dem Schiffer anlegten. Die Zunft taucht für jeden Entwurf in die Archive der Heimatkunde ein. „Von jedem Gebäude in der Innenstadt können wir die Geschichte nachprüfen“, so Van den Berg. Auf diese Weise stimmt jedes Bild mit der Realität überein.

Ein guter Gibelstein braucht keinen Text um sich selbst zu erklären. Das Bildnis von Johannes dem Täufer spricht zum Beispiel für sich durch die spezifischen Attribute, die der Bildhauer hineingehauen hat. Das Handwerk ist eine Frage der Geduld. Fast alles wird noch von Hand aus Materialien wie dem weißen Kalkstein Bianco Del Mare gehauen.

Wenn der Stein nach monatelanger Handarbeit fertig ist, wird er von Spezialisten, wie der Künstlerin Angela von Angel Art, mit Leinöl und Ölfarbe koloriert. Nach dem Trocknen wird das Kunstwerk sorgfältig in die Fassade eingemauert.

Wer diese 'steinere Bibliothek' selbst entdecken möchte, kann im Voerman Stadsmuseum Hattem einen QR-Code für einen interaktiven Rundgang zu vierzehn Standorten erhalten. Es ist eine Tour voller Anekdoten, die die harten Steine sprechen lassen und der Stadt ein einzigartiges Gesicht verleihen.